Lohnfertigung in der Praxis: Wie einfache Bauteile große Wirkung entfalten

Ein Praxisbeispiel zeigt, warum der größte wirtschaftliche Nutzen additiver Fertigung oft bei einfachen, regelmäßig benötigten Bauteilen entsteht.

29. Mai 20264 min ReadFertigung
Im 3D-Druck gefertigtes Kunststoffbauteil neben einer Aluminium-Referenzplatte aus der Lohnfertigung der S2S Systemdrucker GmbH

Wenn über additive Fertigung gesprochen wird, denken viele zunächst an komplexe Geometrien, Prototypen oder Hightech-Anwendungen. In der Praxis zeigt sich jedoch häufig, dass die größten wirtschaftlichen Vorteile bei sehr einfachen Bauteilen entstehen. Ein aktuelles Projekt aus unserer Lohnfertigung ist dafür ein gutes Beispiel.

Die Ausgangssituation: einfache Hilfsmittel im Tagesgeschäft

Unser Kunde ist ein klassischer Handwerksbetrieb im Bereich Holz- und Metallverarbeitung. Im täglichen Arbeitsablauf werden dort regelmäßig Abstandshalter, Keile und Montagehilfen benötigt. Dabei handelt es sich nicht um besonders komplexe Bauteile, sondern oftmals um einfache Kunststoffteile mit definierten Abmessungen oder einzelnen Bohrungen. Dennoch sind diese Komponenten für die tägliche Arbeit unverzichtbar.

Im 3D-Druck gefertigte Montagehilfe mit Langlöchern neben einem Aluminium-Profilhalter aus der Lohnfertigung der S2S Systemdrucker GmbH
Einfache, im 3D-Druck gefertigte Montagehilfe mit Langlöchern – ein typisches Hilfsmittel aus dem handwerklichen Tagesgeschäft.

Die Herausforderung: viele Varianten, kleine Stückzahlen

Die Herausforderung bestand darin, dass diese Hilfsmittel in vielen unterschiedlichen Varianten benötigt werden. Mal wird ein Abstandshalter mit 10 Millimetern Stärke benötigt, mal mit 20 oder 30 Millimetern. Hinzu kommen verschiedene Ausführungen mit Haltestiften oder speziellen Geometrien für bestimmte Montagesituationen. Jedes einzelne Bauteil manuell aus Vollmaterial herzustellen wäre zwar möglich, würde jedoch über das Jahr hinweg einen erheblichen Zeitaufwand verursachen.

Verschiedene Varianten 3D-gedruckter Abstandshalter und Montagehilfen neben einer Aluminium-Referenzplatte in der Lohnfertigung der S2S Systemdrucker GmbH
Unterschiedliche Varianten in Material, Form und Stärke – im 3D-Druck ohne neue Werkzeuge realisierbar.

Die Lösung: Material und Druckparameter abgestimmt

Genau hier spielt die additive Fertigung ihre Stärken aus. Gemeinsam mit dem Kunden wurden zunächst die Anforderungen definiert. Neben den benötigten Abmessungen standen dabei insbesondere die Belastungen im späteren Einsatz sowie die gewünschte Farbgebung im Vordergrund. Auf Basis dieser Vorgaben haben wir das passende Material ausgewählt und die Druckparameter entsprechend ausgelegt. Faktoren wie Wandstärken, Füllgrad und Bauteilaufbau wurden von uns festgelegt, um eine wirtschaftliche und gleichzeitig robuste Lösung zu schaffen.

Wirtschaftlichkeit ohne Werkzeugkosten

Über das Jahr hinweg benötigt der Kunde rund 1.000 dieser Bauteile. Für solche Stückzahlen befindet man sich häufig in einem Bereich, in dem weder klassische Fertigungsverfahren noch Spritzguss wirtschaftlich sinnvoll sind. Für den Spritzguss wären die Werkzeugkosten zu hoch, während eine manuelle Fertigung einen erheblichen Arbeitsaufwand verursachen würde. Der 3D-Druck schließt genau diese Lücke und ermöglicht eine wirtschaftliche Produktion ohne Werkzeugkosten.

3D-gedrucktes Bauteil und Aluminium-Referenzteil aus der additiven Lohnfertigung der S2S Systemdrucker GmbH
Wirtschaftliche Serien um 1.000 Stück pro Jahr – ohne Werkzeugkosten und mit kurzer Reaktionszeit gefertigt.

Maximale Flexibilität in der laufenden Fertigung

Besonders interessant ist dabei die Flexibilität. Während der Auftrag läuft, können jederzeit Anpassungen vorgenommen werden. Benötigt der Kunde kurzfristig eine andere Variante oder zusätzliche Stückzahlen, lassen sich diese ohne neue Werkzeuge oder lange Vorlaufzeiten umsetzen. Änderungen an den Abmessungen oder Geometrien können direkt in die Fertigung übernommen werden.

Für dieses Projekt fertigen wir aktuell etwa 100 Bauteile pro Woche und liefern diese kontinuierlich aus. Dadurch kann der Kunde seinen Bedarf flexibel decken, ohne große Lagerbestände aufbauen zu müssen. Gleichzeitig besteht jederzeit die Möglichkeit, zusätzliche Teile abzurufen oder bestimmte Varianten nach Bedarf anzupassen.

Fazit: Wenn einfache Bauteile den größten Nutzen bringen

Dieses Projekt zeigt sehr gut, dass additive Fertigung nicht immer komplizierte Bauteile voraussetzt. Oft entsteht der größte Nutzen bei einfachen Komponenten, die regelmäßig benötigt werden und deren Herstellung im klassischen Verfahren unverhältnismäßig viel Zeit oder Aufwand verursachen würde. Lokale Produktion, kurze Reaktionszeiten und wirtschaftliche Stückkosten machen den 3D-Druck in solchen Fällen zu einer attraktiven Lösung für viele kleine und mittelständische Unternehmen.