Offene Firmware als Fundament für industrielle 3D-Druckanlagen.
Wer eine industrielle 3D-Druckanlage entwickelt, trifft früh eine Grundsatzentscheidung: Setzt man auf eine proprietäre, geschlossene Steuerungssoftware – oder auf ein offenes System? Bei der S2S-Systemdrucker GmbH haben wir uns bewusst für Klipper entschieden. In diesem Beitrag erklären wir, warum diese Entscheidung für uns und vor allem für unsere Kunden die richtige ist.
Was ist Klipper?
Klipper ist eine Open-Source-Firmware für 3D-Drucker und zählt heute zu den verbreitetsten und am aktivsten weiterentwickelten Firmware-Lösungen am Markt. Anders als klassische Firmware-Lösungen verlagert Klipper die rechenintensive Bewegungsplanung vom Mikrocontroller des Druckers auf einen leistungsfähigeren Host-Rechner – typischerweise einen Einplatinencomputer wie den Raspberry Pi. Der Mikrocontroller führt lediglich die präzise getakteten Steuerbefehle aus.
Diese Architektur bringt entscheidende Vorteile: höhere Präzision, mehr Rechenleistung für komplexe Kinematiken und – für uns als Anlagenbauer besonders wichtig – eine hervorragende Erweiterbarkeit auf Software-Ebene.
Open Source: Kein Gatekeeping, keine Insellösungen
Der wichtigste Grund für unsere Entscheidung ist die Offenheit des Systems. Klipper ist Open Source und wird von einer großen, aktiven Community weiterentwickelt. Wer sich professionell mit 3D-Druck beschäftigt, kommt an Klipper kaum vorbei – entsprechend breit ist das verfügbare Know-how am Markt.
Für unsere Kunden bedeutet das maximale Unabhängigkeit. Unsere Anlagen sollen für jeden zugänglich und bedienbar sein – ohne künstliche Hürden, ohne Herstellerbindung, ohne proprietäre Blackbox. Ein Kunde, der unsere Anlagen betreibt, kann jederzeit eigene Entwickler hinzuziehen, die unsere Klipper-Integration verstehen, warten und sogar eigenständig weiterentwickeln können. Die Dokumentation ist öffentlich, das Wissen ist am Markt verfügbar, und die Codebasis ist einsehbar.
Das ist ein bewusster Gegenentwurf zu geschlossenen Systemen, bei denen der Anlagenbetreiber bei jeder Anpassung vom Hersteller abhängig ist. Wir bei S2S wollen kein Gatekeeping betreiben und keine Insellösungen bauen. Wir wollen Anlagen liefern, die unseren Kunden langfristig Flexibilität und Investitionssicherheit geben.
Eine Architektur, die mitwächst
Klipper ist nicht nur offen, sondern auch technisch ausgereift. Die Struktur, die Architektur und die Funktionsweise der Firmware sind durchdacht – und die Möglichkeiten, Klipper zu erweitern, sind außergewöhnlich gut. Über sogenannte Host-Erweiterungen (Module auf dem Host-Rechner) lassen sich individuelle Funktionen umsetzen: eigene Sensorik, kundenspezifische Prozessüberwachung, Alerting-Systeme oder maßgeschneiderte Bedienoberflächen.
Gerade im granulatbasierten 3D-Druck – unserem Spezialgebiet bei S2S – ist diese Erweiterbarkeit entscheidend. Wer Werkstoffe wie Ferrite, technische Keramiken oder Materialmischungen verarbeitet, arbeitet mit Prozessparametern und Sensorik, die weit über den klassischen Filamentdruck hinausgehen. Ein geschlossenes System würde uns hier schlicht die Hände binden. Mit Klipper können wir jede Anlage exakt auf den Anwendungsfall des Kunden zuschneiden.
Natürlich ist nichts perfekt
Zur Ehrlichkeit gehört: Auch Klipper hat Schwächen. Wie jede Software bringt es Eigenheiten mit, die man kennen und berücksichtigen muss. Aus unserer Sicht sind das jedoch durchweg vertretbare Kompromisse – insbesondere im Vergleich zu den Einschränkungen, die ein proprietäres System mit sich bringen würde. Die Vorteile in Sachen Offenheit, Erweiterbarkeit und Community-Support überwiegen deutlich.
Fazit: Offenheit als Prinzip
Unsere Entscheidung für Klipper ist mehr als eine technische Präferenz – sie ist Ausdruck unserer Philosophie. Wir setzen auf bewährte, weit verbreitete und exzellent dokumentierte Open-Source-Software, weil sie unseren Kunden echte Datenhoheit, Anpassbarkeit und Unabhängigkeit garantiert. Und weil sie uns als Entwickler die Freiheit gibt, für jede Anforderung die passende Lösung zu bauen.
Sie möchten mehr darüber erfahren, wie wir Klipper in unseren granulatbasierten 3D-Druckanlagen einsetzen? Sprechen Sie uns an – wir zeigen Ihnen gerne, was mit einem offenen System alles möglich ist.