Vor der ersten Auslieferung wird sichtbar, woran man noch arbeitet. Wir zeigen in diesem Video ein paar aktuelle Baustellen – und warum sie überhaupt entstanden sind. Kurz gesagt: Der Granulatextruder bringt Vorteile mit, die anderswo Arbeit verursachen.
Warum 48 Volt statt nur 24
Ein Granulatextruder hat eine deutlich höhere Austragsrate und deutlich mehr Heizleistung als ein Filamentextruder. Diese Leistung muss aus den Netzteilen im Schaltschrank kommen.
Bei einem reinen 24-Volt-System bräuchte man dafür sehr hohe Stromstärken – und damit sehr große Netzteile oder mehrere davon. Bei 48 Volt kommen wir mit weniger Stromstärke aus und können die Versorgung besser gewährleisten, gerade bei Schrittmotoren und Heizungen, die viel Watt ziehen. Wir fahren deshalb beide Spannungen: 48 Volt neben den üblichen 24.
Die Folge: mehr Sensorik, mehr Kabel
An einem Granulatextruder ist deutlich mehr los als an einem Filamentextruder. Es sind nicht nur ein Motor und zwei Lüfter:
- Eine Heizzone mit unter Umständen mehreren Temperaturfühlern – wir messen nicht nur unten im Heizblock, sondern auch in der Einzugszone und teilweise in der mittleren Zone. Macht bis zu drei Fühler.
- Zusätzliche Sensorik, sobald das pneumatische Fördersystem dazukommt.
Weil unser System skalierbar ist, fällt die Kabellage je nach Baugröße unterschiedlich lang aus. Der Kopf hängt oben, der Schaltschrank steht unten – bei einer großen Anlage müssten viele kleine Kabel über eine weite Strecke geführt werden.
Das Toolheadboard: ein Kabel statt Kabelbaum
Deshalb entwickeln wir eigene Toolheadboards. Die Platine wird direkt am Kopf montiert; jedes Kabel läuft nur auf kürzestem Weg dorthin. Die Platine selbst geht mit einem Vier- oder Sechspin-Anschluss heraus, wie man es von Herstellern wie BigTreeTech oder LDO kennt.
Dieses eine zentrale Kabel führt in den Schaltschrank, wo eine Adapterplatine das Signal für den Raspberry Pi umsetzt. Versorgt wird zentral mit 48 und 24 Volt. Damit entfällt ein erheblicher Kabelwirrwarr.
Was 48 Volt an Arbeit mitbringt
Die meisten verfügbaren Boards sind auf 24 Volt ausgelegt. Es gibt durchaus andere Hersteller, die in diese Richtung entwickelt haben – unser System zielt aber direkt darauf ab, die 48 Volt sauber zu integrieren. Wer sich mit CE und Sicherheit beschäftigt, ahnt, was das bedeutet.
Ein Beispiel sind geschirmte Kabel. Wir können nicht mehr einfach Einzeladern in die Schleppketten legen, sondern brauchen eine Schirmung und ein sehr flexibles Kabel, das die Schleppkette aushält. Sonst löst ein Datenkabel, das neben einem Heizungskabel liegt, Interferenzen aus und sendet falsche Signale.
Man merkt: Wenn man auf diesem Niveau bauen will – und das ist unser Anspruch – holt man sich am Anfang einige Baustellen ins Haus. Die arbeiten wir nach und nach ab.
Flexibel bleiben: entnehmbare Treiber
Der Schrittmotortreiber ist bei den meisten Boards fest verlötet. Bei uns ist er entnehmbar. Sie entscheiden also selbst: 24 oder 48 Volt am Schrittmotor, eine Heizung oder zwei. Damit lässt sich ein breites Spektrum abdecken.
Die Platinen werden nicht nur in unseren Anlagen verbaut. Wir wollen sie auch einzeln anbieten – für jeden Drucker, der mit 48 Volt laufen soll, auch als Selbstbau oder Eigenentwicklung. Im Webshop werden sie dann einzeln erhältlich sein.
Parallel: die Schaltschränke der ersten drei Maschinen
Im Hintergrund entstehen gerade die Schaltschränke für unsere ersten drei Anlagen. Verbaut sind 48- und 24-Volt-Netzteile von Meanwell – Stand der Technik, bekannt und solide – dazu viele Siemens-Komponenten und Finder-Relais.
Die Steuerplatinen kommen bislang von BigTreeTech. Auch die wollen wir künftig selbst entwickeln, weil sich dabei viele Funktionen vereinen lassen. Das ist eines unserer größeren Ziele.
Kapitel im Video
- 0:00 · Intro – erste Auslieferung und offene Baustellen
- 0:16 · Der Granulatextruder und seine Vorteile
- 0:35 · Warum 48 Volt statt nur 24 Volt
- 1:17 · Mehr Sensorik, mehr Kabel
- 2:22 · Eigenes Toolhead-Board: ein Kabel statt Kabelbaum
- 3:02 · Adapterplatine und zentrale Spannungsversorgung
- 3:42 · CE und EMV: geschirmte Kabel in der Schleppkette
- 4:42 · Board einzeln im Shop und entnehmbare Schrittmotortreiber
- 5:27 · Schaltschrankaufbau und verbaute Komponenten
- 6:04 · Ausblick